Die berühmten drei Worte …

Einer meiner früheren Chefs (ein Deutscher) hat sie mal spontan zu mir gesagt – am Arbeitsplatz und auf Englisch. Kaum war der prägnante wie weitreichende Satz draußen, war es ihm wohl unangenehm. Das verriet zumindest sein erschrockener Gesichtsausdruck. Ich nahm es wahr, den Satz und den Gesichtsausdruck, überging beides jedoch geflissentlich.

Denn: Seine Frau ist Amerikanerin, und zu Hause geht es sehr amerikanisch zu.

„I love you“ ist im Alltag amerikanischer Familien ein ganz normaler Satz. Sie sagen es hunderte Male am Tag – in der Partnerschaft, zu Kindern, Eltern, Freundinnen, sogar zu Kollegen.

Mario Adrion, ein deutscher Comedian, der in den USA lebt, witzelt, dass wir Deutschen hingegen nur eine limitierte Anzahl von Versuchen haben, um „Ich liebe dich“ zu sagen. Diese müssen gut eingeteilt werden, ansonsten sind sie auf immer und ewig verschwendet.

Jemand, der es wissen muss, ist der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Er ergänzt: In Deutschland ist das „Ich liebe dich“ auf romantische Beziehungen beschränkt. In den USA hingegen ist es nicht ungewöhnlich einen Satz zu sagen, der so lautet: „I love you, you are such a funny girl“. Übersetzt in etwa: „Ich liebe dich, du bist so ein lustiges Mädel“.

Genau so hat es auch mein damaliger Chef gemeint. Er wollte mir etwas Nettes sagen. Wir sagen im Deutschen in solchen Situationen eher: „Wie toll du das gemacht hast!“ Oder: „Ich mag deine offene Art wirklich sehr.“ Oder: „Das gefällt mir wirklich gut.“ Die deutsche Sprache gibt dazu viel her und wir nützen das unbewusst oder bewusst aus.

Was ein junger Amerikaner dazu sagt: „In unserer Sprache gibt es halt nicht viele Worte, um Zuneigung auszudrücken. Wir sagen ,I love you‘ zu unserer langjährigen Partnerin. Aber auch zu Guacamole und zu Pommes.“

Der Ausdruck „Ich lieb’s“ hat sich, wie vieles Amerikanische, vielleicht deshalb (oder wegen des Werbespruchs von McDonald’s)  schon in der deutschen Jugendsprache etabliert. Gerne auch in Abwandlungen wie: „Lieb’s voll!“

Hallo, liebe Liebende

 

In deutschen Paarbeziehungen werden die drei magischen Worte sehr behutsam eingesetzt. Tatsächlich hat das Meinungsforschungsinstitut yougov vor einigen Jahren herausgefunden, dass 25 % der Deutschen in Beziehungen täglich „Ich liebe dich“ sagen. In den USA kommt der Satz „I love you“ jeden Tag 49 % der Menschen in Partnerschaften über die Lippen.

Während sich in Amerika Paare ihre Zuneigung durch die Sprache zeigen, geschieht das in Deutschland eher auf eine körperliche Art, zum Beispiel durch eine Umarmung.

Dazu kommt: Es gibt im Deutschen wunderbare Alternativen, die oft viel klarer und differenzierter ausdrücken, was Liebende sagen wollen. Zum Beispiel:

 

  • Es ist schön, dass du da bist.
  • Danke, dass du mich verstehst.
  • Ich bin gerne bei dir.
  • Du fehlst mir.
  • Du bist mir sehr wichtig.
  • Du bist das Beste, was mir passieren konnte.

 

In Deutschland kann man außerdem beobachten, dass Taten oft bedeutsamer sind als Worte. Wer andere Menschen liebt (ob romantisch oder nicht), tut besondere Dinge für sie. Das kann ein Geschenk oder ein Blumenstrauß sein, ein liebevoll zubereitetes Essen, Unterstützung in schwierigen Situationen, kleine Gesten der Freundlichkeit, und Zuneigung und vieles mehr. Also all das, was man für Freunde und Familie gerne tut – wenn man sie mag.

Das Tun kommt besonders denjenigen unter uns entgegen, die nicht gelernt haben, ihre Zuneigung in klare Worte zu fassen. Dazu gehören in Deutschland gefühlt wohl die meisten Menschen. Wir tun uns ja schon schwer, ehrlich gemeinte Komplimente zu verteilen (oder anzunehmen). „Nicht geschimpft ist gelobt genug“, kommt dir da vielleicht in den Sinn.

Auch in Familien wird eher selten die Liebe mit den drei starken Worten ausgedrückt. Der bereits erwähnte Comedian Mario, der übrigens aus dem Schwarzwald stammt, hat von seiner Mutter nie eine Liebesbekundung gehört. Und diese Erfahrung teile ich mit ihm.

Über Gefühle zu sprechen ist halt schwer für viele von uns. Eventuell kommt es daher, dass unsere kriegsgeplagten Vorfahren sämtliche Gefühle mit sich selbst ausgemacht haben. Diese Erfahrungen, die sich transgenerational auswirken können, müssen behutsam aufgebrochen werden, damit sie nicht auf immer und ewig weitergegeben werden.

Denn etwas mehr Liebesbekundungen würden uns Deutschen schon guttun. Wir könnten damit anfangen, dass wir es zu uns selbst sagen, jeden Morgen im Spiegel: Ich liebe dich! Denn nur, wer sich selbst liebt und das auch ausdrücken kann, kann andere Menschen lieben und es ihnen sagen und zeigen.

PS: Wenn’s hilft: Den Evergreen „Die berühmten drei Worte“ dazu anhören, gesungen vom legendären Andy Borg. Ich lieb’s!

Was ist deine Perspektive auf dieses Thema?

Füge sie gerne hinzu.

Einfach unten einen Kommentar hinterlassen!

Danke vielmals.

Gabriele Feile

Falls dir dieser Beitrag gefällt, sag Danke mit einem Kaffee!

Buy Me A Coffee

Wenn dir das gefallen hat, findest du hier noch mehr davon:

Teile diese Botschaft mit allen, die sie kennen sollten:

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner