Ein seltenes Ereignis
Am Aschermittwoch 2026 war es so weit: Die christliche Fastenzeit vor Ostern begann. Und: Der muslimische Fastenmonat Ramadan startete gleichzeitig. Dass sich beide Fastenzeiten zeitlich so passend überschneiden, kommt nur etwa alle 30 Jahre vor.
Bei den Christen dauert die Vorbereitung auf Ostern 40 Tage, der Ramadan dauert einen Monat, bzw. einen Mondzyklus, also rund 28 Tage.
Beide haben gemeinsam, dass es sich beim Fasten um die eher „fleischlichen Gelüste“ dreht. Während des Ramadans wird zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts gegessen und getrunken. Auch auf Rauchen und Sex muss tagsüber verzichtet werden. Sobald die Sonne untergegangen ist, folgt das Fastenbrechen, Iftar genannt. Solange es dunkel ist, darf gegessen und getrunken werden, also auch frühmorgens.
Bei den Christen wird traditionell auf Fleisch verzichtet, früher auch auf Alkohol, Milchprodukte, Eier bzw. Gebäck, das Milch und Eier enthält. Weil das schon früher Vielen schwerfiel, dachten sich Geistliche allerhand Tricks aus, wie etwa: das Fleisch in Teigtaschen zu verstecken (Maultaschen), oder das Bier stärker zu machen, um davon satt zu werden (Starkbier).
Im muslimischen Raum habe ich es so erlebt, dass zwar tagsüber Disziplin herrscht, am Abend dann aber umso mehr über die Stränge geschlagen wird. Die Iftar-Buffets, die ich gesehen habe, als ich in Dubai lebte, waren vollgepackt mit Köstlichkeiten – und das jeden Abend. Hemmungslos war das „Gelage“, zumindest bei den öffentlichen Veranstaltungen, die auch Teil des Ramadans sind.
Das Fasten wird also in allen Lagen einerseits sehr ernst genommen, aber so ernst dann doch auch wieder nicht, als dass man wirklich auf etwas verzichten will.
Hier in Europa hat sich die Fastenzeit dahingehend gewandelt, dass man auch auf andere Dinge verzichten kann: Süßigkeiten, Smartphone-Nutzung oder Social Media. Das gelingt mehr oder weniger gut und führt oft, genau wie in Dubai, zu einer exzessiven Nutzung, wenn die Fastenzeit dann endlich vorbei ist.
Wie sieht kluger Verzicht aus?
Unabhängig vom Datum kann Maßhalten absolut empfehlenswert sein. Wer im Alltag darauf achtet, nicht über die Stränge zu schlagen, lebt gesund, ausgeglichen, bewusster und oft auch sparsamer als andere.
Der Trend zum Minimalismus ist nur eine Art, die Fastenzeit nicht nur aufs ganze Jahr, sondern aufs ganze Leben auszudehnen. Andere Arten sind Slow Food, vegetarische oder vegane Ernährung, auf Alkohol und andere Drogen verzichten, gebrauchte Kleidung und Gegenstände kaufen oder sich vom materiellen Überfluss mehr und mehr zu verabschieden.
In der Welt der Schmetterlingsfrequenz beginnt die Reduktion übrigens im Kokon. Hier wird der Ballast losgelassen, den die Raupe angesammelt hat. Denn Ballast hält Schmetterlinge vom Fliegen ab.
Datenballast loswerden
In diesen neumodischen Zeiten, in denen Fleisch und Alkohol zum „täglichen Brot“ gehören und ein Verzicht darauf für viele „unmöglich“ erscheint, gibt es zum Glück auch andere Wege, um zu fasten. Und zwar solche, die niemandem schaden, außer gierigen amerikanischen Internetkonzernen.
Mit einem Verzicht auf das Nutzen von Diensten, die aus Amerika kommen, ungefragt unsere Daten zu Geld machen, uns mit Werbung befeuern, der aktuellen Regierung in Washington Millionenspenden zukommen lassen und ihre Algorithmen nicht für, sondern gegen uns einsetzen, ist viel, was sag ich, megaviel gewonnen. Und das, wenn es sein muss, ohne Fasten. Denn für die meisten Angebote gibt es „saubere“ Alternativen.
Marc-Uwe Kling (das ist der mit dem Känguru) hat vor einiger Zeit den „Digital Indepence Day“, kurz DID, oder DUT („Digitaler Unabhängigkeitstag“) ins Leben gerufen. Eigentlich war es das Känguru, das diese Idee hatte. Dieser findet immer am ersten Sonntag im Monat statt. Er schlägt vor, dass wir jeden DID, also einmal im Monat, einen „bösen“ amerikanischen Dienst durch einen europäischen oder einen nicht-gierigen ersetzen. Das ist, ehrlich gesagt, leichter als gedacht.
Ein Beispiel, das viele betrifft: WhatsApp
Ich weiß nicht, ob du es wusstest: WhatsApp gehört zum META-Konzern, der früher Facebook hieß. Bevor Mark Zuckerberg den Messenger-Dienst kaufte, war die App eine coole Alternative zur schnöden SMS. Weltweit ist WhatsApp eine der beliebtesten Apps auf Smartphones. Viele wissen gar nicht, dass diese nicht automatisch mit dem Handy kommt und dass es keine Pflicht ist, sie zu nutzen.
Jedoch: Mit jeder Nutzung unterstützt man META dabei, noch mehr Daten zu sammeln, noch mehr Werbung zu verkaufen und ihren Algorithmus noch mehr zu füttern, um immer noch mehr Geld zu verdienen. Das ist quasi das Gegenteil von Fasten. All das findet statt mit den sich unschuldig fühlenden Nutzerinnen und Nutzern, die oft glauben, alles richtigzumachen. Schließlich zahlen sie ja nichts. Und: Im Namen der Bequemlichkeit ändert man nichts.
Wechsel-Perspekive: eine Alternative zu WhatsApp
Ich hatte diese META-App noch nie auf meinem Telefon installiert. Bis vor 5 Jahren kam ich noch ganz ohne einen Messenger-Dienst aus. Telefonieren, E-Mailen oder hin und wieder eine SMS reichten völlig aus.
Dann wurde ich aus geschäftlichen Gründen zu Signal eingeladen und positiv überrascht. Ich bin in ein paar wenigen Gruppen, die wirklich, wirklich entspannt sind. Es gibt keine unnötigen „Dialoge“, nur hin und wieder ganz bewusste Status-Updates, keine nervige Werbung und keine Geldgier.
Signal ist eine unabhängige Organisation, die ausschließlich von freiwilligen Spenden finanziert wird und deshalb keine Werbung ausspielt. Und das, obwohl sie in den USA sitzt. Sie kann ziemlich dasselbe wie WhatsApp, und einiges macht sie besser, zum Beispiel deine Daten schützen. Eine weitere Alternative ist die Schweizer App Threema, die es nicht ganz umsonst, dafür aber absolut sicher gibt.
Worauf will sie hinaus, fragst du dich vielleicht
Gute Frage! Ich möchte dich gerne ermutigen, vom ausgetretenen, kapitalistischen Pfad abzuweichen, und eine Heldin (gerne auch ein Held) zu sein. Wechsle von WhatsApp zu Signal (oder Threema). Damit das Fasten nicht allzu entbehrlich ist, kannst du eine Weile beide Dienste nutzen. Du wirst sehen: Du vermisst nichts und gewinnst viel! Eine echte Wechel-Perspektive also.
Ja: Es gibt Situationen, in denen eine WhatsApp-Gruppe lebensnotwendig erscheint. Dann bleib in dieser Gruppe, wenn du glaubst, ansonsten zu sterben.
Schlag dennoch den Leuten vor, zu Signal zu wechseln. Wie es einfach geht, kannst du im Rezept beim DID nachlesen. Der Clou: Je mehr Leute Signal nutzen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich dort die passenden Menschen zusammenfinden, die du auch kennst. Hinzu kommt: Mit der Nutzung von Signal ergibt sich automatisch auch mehr Barrierefreiheit und mehr Inklusion.
Denn so können auch diejenigen, die WhatsApp schon lange ablehnen (und von ihnen kenne ich persönlich sehr viele), dabei sein. Das lohnt sich, denn das sind meist Menschen, die sich trauen, gegen den Strom zu schwimmen. Viele von ihnen kennen sich aus mit diesem Internet und seinen Gefahren, weil sie im IT-Bereich arbeiten. Und recht viele sind reife Menschen, die echt was zu erzählen haben und auch was bewegen.
Gehörst du zu ihnen?
Dann begehe die Fastenzeit doch mal ganz modern und mach mit beim DID! Die #Hashtags sind übrigens #DIDit oder #DUTgemacht.
Ein letzter Tipp: Schau dir in jedem Fall das lustige Video von Marc-Uwe und dem Känguru an, dann weißt du, wie es geht und worum es geht.
Danke schön.
Was ist deine Perspektive auf dieses Thema?
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Vielen Dank.


